Herr Maus und der Orangenbauer

Herr Maus und der Orangenbauer

Soviel mal vorweg, auch diesmal erlebten wir kein Konzertprogramm im Sinne von „Ich spiele mal die Lieder runter und gehe dann nach Hause“. Nein…die Parts zwischen den Liedern waren genauso unterhaltsam und das meine ich nicht despektierlich. „Unterhaltung mit Haltung“ ist ja quasi das ungeschriebene Gesetz bei Après Church auf dem KunstHofKöpenick und so kann die Geschichte vom Bauernhof über Herrn Maus, das Huhn, das Schwein und die Kuh eben sowohl unterhalten, als auch quasi nebenbei aufzeigen, dass alles irgendwie zusammenhängt und das weitverbreitete „mir doch egal“, oder „was geht es mich an“ einem jeden von uns irgendwann auf die Füße fallen kann. Oder zwangsläufig wird!

Ob diese Fabel nun wirklich aus Sizilien stammt, wo Haase inzwischen mit seiner Familie zwischen Orangenbäumen lebt, sei mal dahingestellt. Das spielt aber auch keine Rolle. Es geht ja um das Geschichtenerzählen und wie Haase die eingewobenen Geschichten mit seinem Lebensmittelpunkt, seinen Liedern und seinen Beobachtungen von dort und hier in Deutschland verbindet, das ist ausgebufft und hat Kraft.

Querdenker, Gutmensch, Optimist

Ja, in der Tat, die Zeiten ändern sich rasant und so manches, was man früher als Kompliment nehmen konnte, also die Bezeichnung als „Querdenker“ oder „Gutmensch“ zum Beispiel, ist heute negativ konnotiert und so fand Haase für sich selbst nun die Bezeichnung „Optimist“ und passend dazu heißt die Tour auch „Optimismus 23“. Dass er zusätzlich ein unangepasster Chansonnier ist, machte er gleich mit seinem ersten Lied klar. „Ich hab lieber einen Himmel der voller Regenwolken hängt, als einen Himmel voller Geigen – kostenlos und aufgedrängt“ singt er da zur Gitarre und, dass er lieber mal im Unrecht ist, als seine Meinung nicht zu sagen. Und dazu gehört dann eben auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Fans, zum Beispiel auch darüber, ob es richtig ist, mit der Band in eine schlagrante Fernsehsendung zu gehen, um ein Lied zum Besten zu geben. Nun ist es ja so, man macht ja Lieder damit sie gehört werden und das sogar vielleicht noch außerhalb der eigenen Bubble (siehe auch „Bubbles“ im Konzertbericht zu Ronja Maltzahn). Und wir alle haben ja offene Ohren, genug um zu bemerken, was in der hiesigen Funk- und Fernsehlandschaft sonst so gespielt wird. Warum sollte man ein solches Angebot also ablehnen? Zensur an Auftritt und/oder am Lied selbst wäre ein Grund zur Absage, ansonsten gilt natürlich das, was Haase dazu sinngemäß sagte: „Wo die Ohren und Herzen offen sind, da singt man seine Lieder“. Und wenn die Bandbreite eines Künstlers eben anbietet diese sowohl in einem Fernsehgarten, als auch auf dem KunstHof zu öffnen, dann spricht das wohl in keinem Fall gegen ihn, die Band oder das Lied.

Zum Glück heißt er Haase

und er weiß Bescheid, sorry…dieses (zurechtgebogene) Zitat aus meiner Kindheit sei mir verziehen, aber erstens ist er nun mal ein genauer Beobachter und zweitens legte er es mir quasi selbst in den Mund bei seinem ersten Wechsel von der Gitarre zum Piano, auf welchem für ihn aus Fankreisen kleine Schokohasen drapiert wurden, was er selbst mit „Manchmal bin ich froh, dass ich nicht anders heiße“ kommentierte.

Missverstehen wir diesen Satz einmal gründlich und gehen ihm nach. Hieße Christian Haase also anders, also beispielsweise „Thomas Anders“, dann hieße er in Wirklichkeit ja „Bernd Weidung“. Die Namensherkunft von Wei-dung erschließt sich wohl von selbst und weder für Haase noch für das Publikum wären die 90 Minuten also angenehm geworden. Vom Klavier ganz zu schweigen. Aber als Optimisten hätten wir sicher auch daraus das Beste gemacht.

Jetzt sind wir aber über Umwege schon wieder bei einer der kleinen eingewobenen Geschichte gelandet, nämlich der vom König, den zwei Prinzen und dem Pferdemist. Auch diese sehr schön, wie auch

Probe geht vor

Und ja…Kinder haben von Geburt an erstmal kein Brett vor dem Kopf, bis die Verwachsenen es ihnen Stück für Stück annageln, aber auch für alle diese gibt es Werkzeuge die Bretter wieder zu lockern oder gar ganz abzunehmen. Das KunstHof-Publikum jedenfalls ist durchaus nicht vernagelt und lauschte neugierig den Geschichten und Liedern. „Ich will Flügel haben“ war z.B. ein sehr berührender Moment im Programm. Hier kam dann musikalisch auch mal die volle Bandbreite des Instrumentariums gleichzeitig zum Einsatz. Die Looptechnik macht es möglich, dass Haase hier mit Gitarre, Klavier und am Ende Schlagwerk mit sich alleine eine ganze Band sein konnte.

Werfi

Ätsch…die Überschrift ergibt jetzt ohne weitere Ausführung für Nicht-Dabeigewesene so überhaupt keinen Sinn. Na und? Alle Publikümmer vom Sonntag schmunzeln jetzt und fühlen nach! Und wer mit „werfi“ nix anfangen kann, der sollte dann eben doch einmal ein Konzert von Haase besuchen.

Imagine

Na kiek mal…da hatten wir gerade beim „Friedenskonzert“ eine „imagine“-Variante mit einem Text von André Herzberg und nun kommt Haase mit einem ganz anderen Ansatz um die Ecke.

Sehr anders, sehr schön.

Und nun „Stell Dir mal vor“ wir müssten so langsam zum Ende des Berichtes kommen und somit zum „Onkel mit der Laterne“, der wie jede Woche, dass KunstHof-Steuerkonzept erklärte und es waren ja durchaus ein paar Leute anwesend, die vorher noch nie bei uns waren. Wir heißen euch hiermit herzlich Willkommen und hoffen, ihr schaut mal wieder bei uns vorbei! Es sah so aus, als habt ihr euch wohlgefühlt. Wie auch Christian Haase. Wir uns mit euch und ihm auch! Unsere

Geldsammelkinder

waren diesmal die kleine Sofia und Wilma. Danke euch beiden, das habt ihr toll gemacht. Der „kurze Applaus“ ging heute wieder an das wunderbare Team und weil Haase dieser Applaus etwas zu kurz vorkam, widmete er seinen „langen Applaus“ zusätzlich auch dem KunstHof-Team. Ein letztes Lied und eine Zugabe später trennten sich dann schon unsere Wege. Schade.

Dann könn wa eben sowas nich mehr machen

😊 Doch doch, natürlich. Also der KunstHofKöpenick jedenfalls bedankt sich bei Christian Haase für einen schönen Vormittag, beim Publikum für das stetige Tragen unseres Konzeptes, bei der Sonne für das saisonale immerwährende Uns-Gewogen-Sein und beim Leben. Einfach so. Bleiben wir optimistisch, dann sehen wir uns wieder!

 Gez. Plisch

weiter geht es am SONNTAG:

https://kunsthofkoepenick.eu/veranstaltungen/apres-church-auf-dem-kunsthofkoepenick-thomas-putensen/

 

Après Church, die nachbarschaftliche verbindende Veranstaltungsreihe zum Erleben von Kultur bei Kaffee, Wein, Bier oder alkoholfreien Getränken

Jeden Sonntag 11.30Uhr bis 13.00Uhr auf dem KunstHofKöpenick

– Alt Köpenick 12. Einlass ab 11Uhr – EINTRITT FREI –

HÖRT IHR DIE GLOCKEN, MACHT EUCH AUF DIE SOCKEN!

Fotos: Dietmar Marquardt, Fred Beuster, Norbert Milzow