…und der Mond?
war nicht da! Die Sonne auch erst später. So begannen wir also den Tag 9Uhr frohgelaunt bei Regen, denn wie schon Karl Valentin sagte: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch“.
Darüber hinaus sind wir in dieser Saison an einiges gewöhnt, was das Wetter betrifft und lassen uns somit gar nicht mehr aus der Ruhe bringen, auch weil uns ja Petrus versprochen hat, wenigstens die Konzerte selbst weitestgehend regenfrei zu halten und so kam es dann auch. Ab 10.15Uhr war der Regen vorbei, die Bühne hatte noch etwas Zeit abzutrocknen und als die Band dann zum Soundcheck eintraf, war das Schlimmste überstanden und der
Domenica
also der Sonntag, konnte Fahrt aufnehmen. …e la luna? (nur echt mit dem Fragezeichen) waren da und das nicht zum ersten Mal. Schon wie beim ersten Mal überzeugten sie auch diesmal nicht nur durch überaus virtuoses Zusammenspiel der Instrumentalisten Holger Schliestedt (Gitarre), Andreas Henze (Kontrabass) und Bernd Spanier (Cajon und Akkordeon), sondern natürlich auch mit ihrer hervorragenden und äußerst charmanten und gewitzten Sängerin Eva Spagna, die das Publikum wunderbar einnehmend durch das Programm geleitete und den Hof von der ersten Sekunde an im Griff hatte.
Varieta
heißt Vielfalt und vielfältig sind auch die Stimmfarben von Eva und die musikalischen Fertigkeiten der Musiker. Vielfältig war auch das zahlreiche Publikum, welches heute schon einmal vorab in der Begrüßung des Köpenicker Stadtstreicher Tobias mit einem großen Dank bedacht wurde. Ein Dank dafür, dass sich keiner der Anwesenden darum kümmerte, wie das Wetter denn so hätte sein können, wollte man doch einfach nur einen schönen Vormittag gemeinsam erleben. Auch wenn das manchen wundern sollte, aber der KunstHof war rappelvoll und unser treues Stammpublikum mischte sich (eben vielfältig) mit durchaus ein paar neuen Gesichtern in „unserem“
Casa
Ach wenn es doch nur wirklich unser Haus wäre! Es hätte sogar einen Boden…und ein Dach…eine Küche gar….na gut, kein Schlafzimmer (wozu auch, wir wollen ja Konzerte hören) und auch keinen Keller, aber dafür Kammern UND – – – eine Bühne – – –
La voglia
der Wunsch nach einem dauerhaften zu Hause bleibt und mit jedem dieser Konzerte verfestigt er sich mehr. Wie schön kann das Leben sein. Und wie schön nicht nur den wunderbaren Liedern, sondern auch den Geschichten und Einleitungen von Eva zu lauschen. Wichtig auch, weil ja (fast) niemand in Köpenick italienisch versteht. Eva gibt also immer einen kleinen Hinweis, eine Anekdote, einen Wink zum jeweiligen Stück mit auf den Weg. Das ist den meisten dann doch wichtig.
Ich muss zugeben, dass mich persönlich das Fehlen von genauer Information noch nie gestört hat, wenn ich Musik höre. Ich höre eben komplett musikalisch und über Klänge und wenn ein Lied gut interpretiert ist, die Seele eines Textes sich in den Instrumenten und in der Stimme wiederspiegelt, dann überträgt sich der Sinn eines Stückes (für mich) sogar unabhängig vom Sprachverständnis. Das ist mir zum ersten Mal aufgefallen, als ich irgendwann Texte von englischen Liedern verstand, die ich als Kind und Teenie nur aufgrund der Musik liebte, ja tiefe Emotionen für diese Lieder empfand, um später festzustellen…Hoppla…das was ich da gefühlt habe, ist so ähnlich ja wirklich im Text festgehalten. Das ist der Zauber von guter Musik, von guter Interpretation und ein Zauber lag in der Tat über dem Hof und Sonne auf jedem Gesicht. (Das führt im Umkehrschluss aber auch dazu, dass ich wenig Genuss verspüre, wenn ein Künstler, eine Band einfach nur ein Programm abspult. Das kann professionell gesehen noch so gut sein. Wenn die Seele fehlt und das Nachspüren der Musiker im Moment, dessen was sie tun, dann ist für mich der Zauber weg)
Pioggia (d`estate)
der (Sommer-)Regen jedenfalls hatte bei solchem Zauber heute keine Chance, jaja…hier und da ein paar Tropfen musste er sich letztendlich dennoch einfach ergeben und am Ende sogar die Sonne durchscheinen lassen…Nebenbei war das mal eine großartige Nummer ohne Gesang, also Eva konnte aus der ersten Reihe zuhören, wie die Band brillierte. „Mann sind die gut“ war ihr Fazit als sie danach auf die Bühne zurückkehrte, um uns weiter
strappazami di coccolee
mit Liebkosungen zu strapazieren…😉 Nicht nur dieses Lied mit dem lustigen Titel war eine Liebkosung der Sinne, der ganze Vormittag mit …e la luna? rauschte nur so vorbei, wie eine italienische Sommerbrise – leicht und unvergesslich, oder doch eher wie ein italienischer Espresso – kurz, intensiv und belebend? Jedenfalls musste der Onkel mit der Laterne das Geschehen wie immer kurz vor 13Uhr stoppen.
fermata
Genau genommen heißt „fermata“ in diesem Zusammenhang „Haltestelle“ und somit nutze ich die „Haltestelle“, um den Sinkflug dieses Berichtes einzuleiten. Der Onkel mit der Laterne Tobias erklomm, also wie (fast) immer die Bühne, um durchaus launig den neuen Gästen das Konzept vorzustellen und ein paar Dinge mit auf den Weg zu geben. Diesmal war es unter anderem der Hinweis, dass das Buch „Empört euch“ durchaus mehr enthält als nur den Titel, ähnlich eines Zeitungsartikels der zumeist, wenn er aus richtigen Zeitungen stammt und nicht nur BILDer 😉 untertitelt, mehr enthält als nur die Schlagzeile. Es greift immer mehr um sich, dass alle nur noch Schlagzeilen lesen und empört sind. Am besten über Alles und Jeden…Dabei, damit sind wir wieder beim Buch, geht es doch darum:
Empören – Besinnen – Handeln
Natürlich muss man über bestimmte Dinge empört sein, aber wenn man dann zwei von den drei Schritten einfach streicht, hängt man in einer Empörungsschleife fest, die keinem etwas nützt…also…Besinnen und Handeln gehört dazu, man muss dafür nicht gleich die ganze Welt retten. Die kleinen Schritte tun es auch, jeder da wo er oder sie kann. Und unser kleiner Schritt aus der Empörung über die Ungerechtigkeit der Verteilung heraus war und ist eben unser Konzept der kulturellen Teilhabe FÜR ALLE, unser kleines KunstHof „Steuersystem“ des „Einer-trage-des-anderen-Last“, welches jede Woche von euch, liebes Publikum, so wunderbar getragen wird und wofür wir, wie auch die Künstlerinnen und Künstler euch herzlich danken!
Ebenso danken wir wieder Anna für ihren Einsatz an Bühne und Laterne und hier auch mal explizit Norbert für die Fotos die er JEDEN SONNTAG beisteuert.
Natürlich ging es nicht ohne Zugaben zu Ende und wenn man
Azzurro
als Zugabe wählt, dann muss man sich auch nicht wundern, dass dann noch eine weitere als Kompott kommen muss …😉
Wir danken …e la luna? für ein phantastisches Konzert!
Von Italien zogen wir weiter nach Vietnam, saßen bis in die Abendstunden in der Grünstraße zusammen und ließen es uns bei Gesprächen und Getränken weiter gut gehen.
Das Leben ist schön!
Gez. Plisch
Via
also Weg – dazu folgendes…Laut Eva kann man an einer Straßenbahnhaltestelle eine schöne Liebesgeschichte anfangen…Wir können das bestätigen, es fährt ja zur Zeit keine Straßenbahn mehr, die ein eventuell werdendes Paar vorauseilend trennen könnte durch Einsteigen in verschiedenen Richtungen oder gar verschiedene Bahnen. 😉
Daher hier wie immer der Hinweis auf die Seite des Tourismusvereins mit aktuellen Baustellen und BVG Informationen.
NÄCHSTEN SONNTAG – GEHT ES WEITER MIT
https://kunsthofkoepenick.eu/veranstaltungen/apres-church-auf-dem-kunsthofkoepenick-lilian-gold/
Après Church, die nachbarschaftliche verbindende Veranstaltungsreihe zum Erleben von Kultur bei Kaffee, Wein, Bier oder alkoholfreien Getränken.
Jeden Sonntag 11.30Uhr bis 13.00Uhr auf dem KunstHofKöpenick.
HÖRT IHR DIE GLOCKEN, MACHT EUCH AUF DIE SOCKEN!
Alt Köpenick 12 – Einlass ab 11Uhr – EINTRITT FREI –
Alle Konzertberichte des Jahres zum Nachlesen findet ihr auf unserer Website unter dem Reiter APRÈS CHURCH – Alle Konzertberichte
https://kunsthofkoepenick.eu/category/allgemein/
Fotos: Norbert Milzow